LACHEN, an Exhibition about Laughter, Gie├čen

Opening: February 4, 6 pm

 

de.

Antonia Baehr, Lachen

Im Neuen Kunstverein Gießen zeigt Antonia Baehr (*1970, lebt in Berlin) eine Ausstellung über das Lachen, die im Kontext ihres seit mehreren Jahren sich fortentwickelnden, gleichnamigen Projektes steht. Die Choreografin und Filmemacherin hat ihre intensive Beschäftigung mit dem Phänomen des Lachens bisher als Bühnenstück, in Buchform, Videoarbeiten und Workshops gezeigt. Medienübergreifend untersucht Baehr das Lachen, losgelöst von seinen Ursachen und Wirkungen, als Manifestation von Klang und Körper. Parallel zu den international über hundert Aufführungen des Stücks „Lachen“, die seit dessen Premiere im Jahr 2008 stattfanden, hat Antonia Baehr gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen fortlaufend Lachportraits gesammelt. Fast beiläufig ist so eine umfangreiche Videosammlung entstanden, die Menschen aus der ganzen Welt als Lachende einfängt.

Das Gehäuse des Kunstvereins nutzt die Künstlerin nun, um die Vielstimmigkeit des Lachens in Bildern, Partituren und Tönen in verdichteter Form aufzuzeigen und auszuloten. Durch ihre mehrteilige Installation eignet sie sich die Präsentationsformen ethnologischer Museen an und stellt das Lachen wie eine ausgestorbene Sprache aus, wobei der objektivierende Charakter völkerkundlicher Ausstellungspraxis unterwandert wird. Auf der Annahme basierend, dass der Mensch seine Identität durch Imitation erschafft, erforscht Antonia Baehr das Lachen als identitätsbildende Geste. Sie begreift Identität als grundsätzlich beweglich und fließend und folgt somit dem Postulat, dass wir sind, wer wir sind, weil wir beständig nachahmen und uns durch Mimesis in unserem Umfeld und den Mitmenschen spiegeln.
In der Gießener Installation zeigt Baehr ihre künstlerische Forschung in Form von Lachpartituren, der Dokumentation von Lachexperimenten sowie Lachportraits und Hörstationen, die das Phänomen beinah in einem enzyklopädischen Sinne seh-, hör- und erlebbar machen.

(Text: Ingke Günther)

 

Stefan Hölscher, Institut für Angewandte Theaterwissenschaft:

 

"Es gibt keinen Menschen mehr, der in allem nachgeahmt wird. Und jener, der am stärksten nachgeahmt wird, ist unter gewissen Aspekten auch Nachahmer von einigen wenigen Menschen, die ihn nachahmen. Die Nachahmung wurde also durch die allgemeine Verbreitung spezialisiert und gegenseitig. " (Gabriel Tarde)


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