Tanz ist nie normal, Antonia Baehrs 'Normal Dance' im Mousonturm, by Melanie Suchy in Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.12.2016. 

 

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Er stimmt auf friedliche Weise ratlos, dieser 'Normal Dance', hinterlässt einen merkwürdig schwebenden Eindruck. Wie etwas das nicht festgetackert werden kann (...).

Darum scheint es im 'Normal Dance' zu gehen: um die Oberfläche, das Sichtbare, das Direkte, Klare, Helle. Mit der Luft dazwischen (...).

Das die drei kein jahrelanges Tanztraining absolviert haben, ist schnell zu erkennen. Wenn Antonia Baehr loshüpt, mal den einen, dann den anderen Arm hebt, auch die Knie, sich dreht, etwas von sich wegschiebt, dann festzuhalten scheint, sich hinlegt, aufsteht (...) verbirgt sie die Amateurin nicht. Aber sie macht auch keine lustige Show eines scheiternden Versuchs draus. Auch bei Mirjam Junker und Pia Thilmann (...).

Denn während am Bühnenrand Carola Caggiano als DJane Platten zeitgenössicher Komponistinnen auflegt (...) und ein paar kurze Zeilen aus Gertrude Steins Opernlibretto 'Four Saints in Three Acts' von 1928 an der Rückwand diesem 'Dance' Sprache injezieren, (...) sind die drei Akteurinnen immerzu verwandelt und nicht eindeutig oder 'normal' Frauen, sondern auch Männer, auch Kinder. 

Oder nein das Gender-Changieren liegt im Blick der Zuschauer, die drei sind immer nur (aber was heißt nur?) sie selbst (...). Das ist Tanz im besten Sinne.

 

 

Antonia Baehr im Mousonturm, Drei in der Sonne, Antonia Baehrs unprätenziöser, trotzdem raffinierter "Normal Dance" im Frankfurter Mousonturm,

by Sylvia Staude in Frankfurter Rundschau, 12.12.2016.

 

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Baehr setzt sich gern zwischen alle Stühle und spielt mit den Erwartungen des Publikum. Das mit Hinterlist und immer einem prägnanten Konzept(...). 

Ist ein 'normaler Tanz' einer, der nicht von Profis ausgeführt wird? Das sind die drei nicht. Sie müssen sich mit ziemlich simplen Bewegungen begnügen, trotzdem sind diese ingeniös und oft witzig (...). 

Die Dreiviertelstunde 'Normal Dance' ist ganz unprätentiös trotzdem raffiniert. Baehr und ihre Mitstreiterinnen und - choreografinnen zeigen eigentlich, dass die körperlichen Vorrausetzungen nebensächlich sind, wenn man nur eine Idee hat, wie der Tanz und seine Dramaturgie beschaffen sein sollen.